Golmer Storchengeschichte

Ein vertracktes Storchenjahr

Im letzten Jahr war es um unsere Golmer Störche nicht gut bestellt. In diesem Jahr begann alles hoffnungsfroh! Schon am 25. März traf ein Storch ein, nahm das Nest in Besitz und klapperte, was das Zeug hielt. Aber dann war lange nichts mehr zu sehen. In Bornim und Grube saßen die Störche Mitte April schon auf dem Nest und brüteten und auch auf dem Töplitzer Nest traf ein Storch ein. Auf den Wiesen überall in Golm und in der Umgebung waren immer wieder Störche zu sehen – nur nicht auf dem Horst in Golm. Am 17. April dann die Überraschung: Zwei Störche auf dem Nest. Aber auch jetzt begannen die Störche nicht mit dem Nestbau und nur ab und an ließ sich mal einer auf dem Nest sehen. Meist aber blieb der Horst verwaist. Am 11. Juli dann wieder eine unerwartete Wendung. Zwei Störche auf dem Nest, die auch ein wenig Nestbau betrieben, klapperten und so taten, als wollten sie doch noch zur Brut schreiten. Viel zu spät natürlich. Aber beide kamen immer wieder und ließen sich auf dem Nest sehen. Endlich wieder der vertraute Anblick. Anfang August war dann nur noch einer da, der andere vielleicht schon auf dem Flug ins Winterquartier. Und dann zum Dorffest war keiner mehr da. Jetzt können wir nur noch hoffen, dass unsere Störche den Winter gut überstehen und dann doch nächstes Jahr wiederkommen, um in Golm zu brüten.

Storchenankünfte - Statistik

Bis 2015 zusammen getragen von Siegfried Mohr.

  Ankunft 1. Storch Ankunft 2. Storch Brut
2018 17.04. 17.04. Paar ist zur Brut nicht geblieben
2017 02.04. 04.04. keine Brut. Bis zum 27.08.17 auf dem Horst.
2016 31.03. 26.04. 2 Jungvögel
2015 18.03. keiner kein Nachwuchs
2014 26.03. 26.03.  
2013 12.04. 14.04.  
2012 15.03. 03.04.  
2011 29.03. 02.04.  
2010 28.03. 31.03.  
2009 30.03. 01.04.  
2008 29.03. 01.04.  
2007 25.03. 03.04.  
2006 31.03. 04.04.  
2005 04.04. 11.04.  
2004 01.04. 06.04  
2003 01.04. keiner Die Störchin bleibt aus
2002 28.03. 28.03.  
2001 28.03. 04.04.  
2000 31.03. 31.03.  
1999 31.03. 01.04.  
1998 04.04. 11.04.  
1997 22.04. 30.04.  
1996 07.07. 07.07.  
1995 03.04. 21.04.  

Storchengeschichte seit 1967

In der ganzen Zeit seit Erstbezug des Horstes im Jahre 1967 hat uns getreu Jahr für Jahr NIE ein Storch in Golm auf dem alten Bäckereischornstein mitten im alten Dorfkern verlassen.
Ja, als bedingt nach den Kriegswirren sich ein Storch bei uns in Golm wieder ansiedeln wollte, war für Storchens guter Rat teuer. Wohin denn? Der von uns besagte Schornstein hat als Schornstein bekannterweise für den Rauchabzug ein Loch. Und Storchenkenntnis besagt, dass Menschen ja eigentlich darunter Feuer machen. Die alte Storchenhorststelle von Golm befand sich in der Dorfstraße Nr. 4 (jetzt Geiselbergstraße), war jedoch, wie überall nach dem Krieg, ohne Storch geblieben; das Gebäude von einem klassischer Vierseithof ,schilfgedeckt. Der Zahn der Zeit nagte beträchtlich am Dach. Zur Gebäudeerhaltung also Schilf unter, Wellaluplatten drauf. Das wars. Die Störche suchten sich also einen Holzmast aus, der per Kabeldraht mit Isolatoren den Strom in die Häuser bringt. Und wo stand er? Natürlich in der Geiselbergstraße schräg gegenüber vom Kindergarten (jetzt Geiselbergstraße Nr. 51, Grundstück Woinar). Unsere Kita trägt also zu Recht den Namen „Am Storchennest“! Die malerische Gestaltung um den Eingang stammt von Hans Schneider. Leider ist heute beim Anblick eines Storches der Kinderruf selten geworden: „Storch, Storch, Guter, bring mir einen Bruder“ oder „Storch, Storch, Bester, bring mir eine Schwester“.
Auf dem Mast haben die Storchens 1966 in Golm erstmalig gebaut; vom E-Versorgungsbetrieb regelmäßig wieder abgeräumt. Zermürbt zog das Storchenpaar nach Nattwerder. Anfang 1967 ließ es Siegfried Mohr keine Ruhe. Beratung im „Haus der Bauern“, Sitz der landwirtschaftlichen Verwaltung des Potsdamer Landkreises. Das Ergebnis: mit Fritz Wernicke eine Ortsschau. Die Wahl fiel auf den alten Bäckereischornstein in der Geiselbergstraße Nr. 8. Anschließendes Gespräch mit der Besitzerin Frau Berta Böhme ergab für unser Vorhaben Zusage. Bis 1952 wurde dort noch im Ort Brot gebacken, anschließend wurde der Laden Versorgungseinrichtung für Lebensmittel. Nun wurde schnell gehandelt. Und bevor Frühjahr 1967 der Storch in die Lande kam, war es geschafft. Das Wagenrad für den Schornstein spendierte Otto Büge und liegt heute noch abdeckend über dem Schornsteinzug. Also: Wagenrad rauf, alte Dachpappe über die Speichen, Grassoden vom Straßenrand rauf, symbolisch ein paar Reiser reingesteckt, animierend für den künftigen Horstbau. Stolz über Geschaffenes für die Natur sagte Fritz Wernicke: „Da möchte man sich selber raufsetzen.“ Der Storchenzug 1967 im Frühjahr kam, die 1966er Störche guckten nach Golm und fanden sicher, sonst wären sie nicht geblieben, die Niststätte in Ordnung. Nattwerder hatte dann 1967 keinen Storch. Weil in Golm sich nun Storchenfreunde so viel Mühe machten, war Storchendank uns Golmern auch garantiert. Die Stafette wurde Jahr für Jahr weiter gegeben und das ununterbrochen bis heute im Jahre 2005.

Siegfried Mohr