Natur

Golm ist umgeben von Gewässern, Wiesen und Feldern. Vom Schilfgürtel bis zum Reiherberg findet sich noch vieles an beobachtenswerter Natur.

Jochens Hostagarten in Golm

Im Hostagarten in der Thomas-Müntzer-Straße 28 a gibt es über 500 verschiedene Hostaarten, sowie viele andere Pflanzen. Ein Besuch lohnt sich. Es gibt mehrere Höhepunkte im Jahr. Wenn Sie sich über die schönen Hosta in ihrer Vielfalt, ihren Farben und Formen freuen wollen, dann vereinbaren Sie telefonisch einen Gartenrundgang.
Öffnungszeiten auf www.jochens-hostagarten.de

_____________

Dohlen im Kirchturm

Foto Höfgen

Bei der Renovierung des Kirchturmes wurden sinnvollerweise Nisthilfen eingebaut. In Anerkennung hierfür befindet sich eine Plakette des NABU am Eingang zum Turm. Die Nisthilfen wurden von Schleiereule und Turmfalke in den letzten Jahren schon gerne angenommen. In diesem Jahr haben sich neue gefiederte Gäste eingefunden. Dohlen. Mindestens ein Paar hat Junge aufgezogen in diesem Jahr. Vielleicht ist das der Beginn einer Brutkolonie, denn Dohlen sind sehr soziale Vögel, die gerne in Gruppen leben und brüten. Das Fehlen von Nistmöglichkeiten ist vielleicht einer der Gründe, warum sie bei uns selten als Brutvögel zu finden sind, ein anderer der Rückgang der Insekten, die diese Rabenvögel zur Jungenaufzucht brauchen. Früher waren Dohlen (Corvus monedula) häufige Bewohner der Dörfer und nisteten gerne in Mauernischen der Kirchtürme. Seitdem ich in Golm wohne, habe ich sie aber immer nur als Begleiter der winterlichen Nebelkrähenschwärme gesehen, mit denen sie gerne gemeinsam ziehen. Seit dem Zusammenbruch der Dohlenbestände europaweit in den Siebziger Jahren, haben sie sich bei uns nicht so richtig erholt, wohingegen sie beispielsweise in Schweden in großer Zahl in den Dörfern und Städten wieder vorkommen. Dieser erste Bruterfolg lässt hoffen! Schauen Sie im nächsten Frühjahr einmal, ob Dohlen unseren Kirchturm umschwärmen.

Dr. Rainer Höfgen, 2018

_____________

Vogelwelt am Mühlenpfuhl

Zu Besuch in Golm
Erstaunliche Vogelwelt am Mühlenpfuhl


Im August 2015 waren wir bei einer befreundeten Familie in Golm eingeladen. Am Nachmittag schulterte ich die Kamera und es ging zum wasservogelreichen Mühlenpfuhl. Neben den vielen Stockenten tummelten sich Blessrallen, Teichhühner und kleinere scheue Wasservögel, die ich erst später bestimmen konnte. Die Teichhühner waren mit dem Nestbau beschäftigt und fütterten ihre Jungen. Dabei beobachtete ich, dass die halbstarken Jungvögel die Elterntiere bei der Fütterung unterstützten. Der Blick durchs Teleobjektiv sagte mir, dass es sich bei den kleineren Wasservögeln um eine Zwergtaucherfamilie mit nur ein paar Tage alten Jungen handelte. Die Jungen wurden von der Mutter gehudert oder auf dem Wasser schwimmend mit Wasserinsekten gefüttert. Ein drolliger Anblick!
Der Zwergtaucher ist der kleinste Taucher. Er hat sehr große Füße und wird zu den so genannten Lappentauchern gezählt. Die Fotoausbeute für mich als begeisterten Naturfotografen war überraschend gut. Ich war erstaunt, wie viele Tiere auf diesem kleinen, erst kürzlich wieder hergestellten Teich ihre Jungen großziehen. Hoffentlich können wir weiterhin diese Vögel regelmäßig in ihrem Treiben beobachten!
Jürgen Würtele aus Blönsdorf

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

_____________

Golmer Luch, Zernsee

Fotos von R. Baeker und S. Seidel, 2011

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

_____________

Lebensraum Streuobstwiese „Am Herzberg“

Seit sieben Jahren existiert nun schon die Streuobstwiese „Am Herzberg“. Angelegt wurde sie als naturschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahme für die Versiegelungen, die durch den Bau des Wohngebietes Am Herzberg vorgenommen wurden. Der Landschaftspflegeverein Potsdamer Kulturlandschaft hat die Maßnahme von Anfang an fachlich begleitet und ist seit 2008 mit der Pflege der Fläche und der Bäume beauftragt. Die ehrenamtliche Tätigkeit wird dankenswerter Weise durch engagierte Anwohner unterstützt. So konnten die neu gepflanzten Obstbäume bisher gut gedeihen und sind für Mensch und Tier ein wichtiger Bestandteil ihrer Umwelt geworden.

Nur wenige Biotope machen die enge Vernetzung von Natur, Landschaft, Kultur und Ernährung so deutlich wie die Streuobstwiesen. Als Kulturlandschaft sind ihre traditionellen Nutzungsformen vorbildlich an Boden, Klima und Gelände angepasst. Ihre nachhaltige Nutzung dient nicht nur der Produktion gesunder Nahrungsmittel - häufig auch für Obst-Allergiker -, sondern befördert zudem eine langsame Grundwasserbildung, schützt vor Erosion und dient der Frischluftproduktion.
Für den Naturschutz sind die Streuobstbestände wahre Paradiese. Mit zwei- oder maximal dreimaliger Mahd, gegebenenfalls naturverträglicher Beweidung ohne Einsatz synthetischer Pflanzenbehandlungsmittel, bieten sie einer enormen Vielfalt an Vögeln, Insekten, Kleinsäugern und Pflanzen eine Heimat. Beispielsweise findet hier auch der Gartenrotschwanz, Vogel des Jahres 2011, optimale Lebensbedingungen.

Die Auswahl der Bäume auf der Streuobstwiese „Am Herzberg“ erfolgte nach dem Grundsatz einer vielfältigen Mischung und unter Verwendung traditioneller Obstsorten. So wurden z. B. zwei sehr alte Kulturapfelsorten gepflanzt, die heute nur noch selten zu finden sind: Die Goldparmäne und der Rote Eiserapfel. Erstere wurde vermutlich schon im 13. Jahrhundert angebaut. Ihr ursprünglicher Name „Reine des Reinettes“ (Königin der Prinzessinnen) spiegelt die hohe Anerkennung, die der Apfel genoss, wieder. Der Rote Eiserapfel war bis in die 1950er Jahre hinein wegen seines guten Geschmacks und seiner hohen Lagerfähigkeit von bis zu einem Jahr weit verbreitet.
Darüber hinaus kann man bei einem Spaziergang noch den Rheinischen Bohnapfel entdecken sowie Pflaumenbäume, Birnen, Sanddorn, Haselnuss und Esskastanie. Vogelkirsche und Speierling, die bei Vögeln und Insekten sehr beliebt sind, wurden ebenfalls angepflanzt.

Es gilt nun, diesen noch jungen Lebensraum zu schützen, damit er sich ungestört in seiner Vielfalt weiter entwickeln kann. Dabei sind wir Ihnen für jede Unterstützung dankbar.

Wir möchten aber auch nochmals darauf hinweisen, dass die Entsorgung von Gartenabfällen und Müll nicht nur eine Ordnungswidrigkeit darstellt, sondern u. a. das Biotop auf unterschiedlichste Weise schädigen kann. Mehr Achtsamkeit im Umgang mit der Natur ist also geboten.

Jan Bornholdt für den Landschaftspflegeverein e.V. , 2011

_____________

Wanderführer Luch

Nach zahlreichen Vorträgen zu den Themen „Naturschutzgeschichte, Tier- und Pflanzenwelt des Golmer Luchs“ und Spaziergängen unter dem Motto „Natur, Wissenschaft und Kultur“ hat sich die Bürgerinitiative Golm einem neuen Projekt gewidmet: die Erstellung eines kleinen Wanderführers und einer CD mit weitergehenden Informationen. Ziel sollte auch hier sein, das Golmer Luch als ehemaliges Naturschutzgebiet mit seiner bewegten Geschichte vielen Bürgerinnen und Bürgern näher zu bringen. Finanziert wurde das Projekt von der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Brandenburg e.V. (ANU), durchgeführt hat es die Bürgerinitiative Golm und Kooperationspartner war ARGUS e. V. in Potsdam. Unterstützung erhielt die Bürgerinitiative von zahlreichen orts- und sachkundigen Bürgerinnen und Bürgern Golms, Vertretern von Naturschutzverbänden und in ganz besonderem Maße vom Golmer Ortschronisten, Siegfried Seidel.

Über Jahre haben der Golmer Ortschronist, Ornithologen und zahlreiche engagierte Bürgerinnen und Bürger Artikel zum Golmer Luch mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten geschrieben. Wichtige Beiträge sind auch die von Henning Heese zum alten Dorf Golm, den Schweizern und den Kirchen Golms herausgegebenen Schriften. Dies alles sind wertvolle Quellen historischer und naturkundlicher Information. Unser Anliegen war es, die Fülle von Wissen zu bündeln und in anschaulicher Form als kleinen Wanderführer interessierten Bürgern, jung und alt, Touristen und Naherholungssuchenden, an die Hand zu geben. Unser Faltblatt beinhaltet eine Übersichtskarte mit einem vorgeschlagenen Rundwanderweg. Zu den ausgewählten Markierungspunkten in Karte und Faltblatt werden kurze Erklärungen gegeben. Der Wanderführer soll einen Einstieg in die Geschichte des Golmer Luchs ermöglichen und Lust auf mehr Informationen machen. Diese möchten wir auf einer „Archiv-CD“ zur Verfügung stellen. Was wir an Material - Texte, Karten und Bilder - gefunden haben und veröffentlichen dürfen, wird auf dieser Sammel-CD enthalten sein.

Wir laden alle Interessierten ein, mit Informationen und Anregungen an der Fortschreibung unseres „Golmer Luch-Archivs“ teilzunehmen. Über die Unterstützung der bereits angesprochen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der hiesigen Institute würden wir uns ebenfalls freuen. Ihr Wissen und ihre Forschungsergebnisse sind uns sehr wichtig.

Darüber hinaus ist es unser Wunsch und Ziel, das Golmer Luch als kostbares Kleinod der Natur mit seinen Sumpf- und Wiesenvögeln, Kindern näher zu bringen. Durch Wanderungen mit Tierbeobachtungen, untermalt mit Sagen und geschichtlichen Fakten, soll es interessant und erlebbar gemacht werden. Mittelfristig sollen für die umliegenden Schulen Wanderungen von Fachleuten zu verschiedenen Themen durchgeführt werden (Schmetterlingsbeobachtungen, Kräuterkurse usw.). Im Sommer dieses Jahres wollen wir nunmehr schon fast in Tradition der Vorjahre eine Wanderung durch das Luch unternehmen, wo wir gemeinsam mit Kaffee und Kuchen die benannten historischen und markanten Orte des Luchs anschauen und erläutern. Der Termin der Wanderung wird Ihnen frühzeitig bekannt gegeben.

Zum Schluss noch einmal ein großes Dankeschön an alle Unterstützer des Projekts.
Ines Hautzendorfer und Elrita Hobohm für die BI Golm, Februar 2010

Die Bürgerinitiative Golm hat 2009 ihr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Sie setzt sich gegen die Verknüpfung der Bundesstraßen und damit gegen die Zerstörung der Insel Potsdam ein. Insgesamt gibt es sechs Initiativen - neben Golm die in Werder, Wildpark-West, in der Forststraße, Caputh und Rehbrücke -, die sich seit über 10 Jahren einmal pro Monat beim ARGUS e. V. im Haus der Natur treffen, sich informieren und austauschen. Austausch und Kommunikation mit den zuständigen Ministerien und Behörden finden ebenfalls statt, so wie Mitte Dezember mit dem neuen Beigeordneten für Stadtentwicklung und Bauen, Matthias Klipp.
Konkret setzt sich die Bürgerinitiative Golm für den Erhalt des Golmer Luchs ein.

_____________

Juwelen der Natur in Golm

Britta Bohne, Golm

Am 12. Juli 2009 kamen mich meine Kolleginnen aus Berlin besuchen, worauf wir einen Spaziergang am Wasser entlang unternahmen. Ich wollte den Mädels unseren schönen Ort nahebringen, damit sie gut erholt in die neue Arbeitswoche starten können. Sie staunten ja nicht schlecht, wie schön wir es hier haben, z.B. über die Wublitzbrücke, die herrliche Bucht mit dem gegenüberliegenden Stichkanal oder auch über die Wiesen mit den neugierigen Kühen.
Als unser Hund plötzlich verschwand, schlug ich mich in die Büsche, um ihn zu holen und da sah ich sie!!! Wunderschöne, winzige, wilde Orchideen! Natürlich staunten wir alle nicht schlecht und ich erhielt am Montag noch Mails von meinen Kollegen, wie schön es doch in Golm war, ja und die Orchideen waren noch das Tüpfelchen auf dem "i" gewesen.

Am nächsten Tag packte ich meine Kamera ein und los ging‘s zu der magischen Stelle mit meinen Models. Im Abendlicht wurden sie dann auf den Chip gebannt und am Monitor konnte ich dann den "Breitblättrigen Stendelwurz" bestimmen. Das interessante an diesen Pflanzen ist, dass sie ihren "Besuchern", welche den Nektar naschen wollen, ihre Pollen "aufdrücken", das heißt die Pollen bleiben am Kopf des Insekts wie kleine Bommeln kleben (siehe Foto mit der Wespe).
Nun frage ich mich natürlich, ob es sinnvoll wäre, die Leute von dieser Stelle zu unterrichten. Es gibt ja nicht nur diejenigen, die sich daran erfreuen, sondern auch Diebe oder "Hobbyfloristen", die die kleinen Juwelen gern in ihrer Blumenvase oder ihrem Garten sähen.
Nun, die wilden Orchideen lassen sich nicht einfach so umpflanzen. Sie brauchen genau dieses Milieu, welches sie sich ausgesucht haben und außerdem auch meist bestimmte Pilze im Boden, mit denen sie in Symbiose leben. Dies kann man ihnen im heimischen Garten nicht bieten. Zudem stehen sie unter Naturschutz. Deshalb: Bitte, bitte, Finger weg!

Wer möchte, kann sich die Orchideenfotos gern in Farbe im Internet ansehen: Link

Fotos und Text: Britta Bohne, Golm

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

_____________

Vom Reiherberg

Klaus Krannich, Golm 2008

Am Fuße des Reiherbergs kuscheln sich zwei Kirchen, zwei Gaststätten und ein Hotel. Zusätzlich werden während des Sommers am Wochenende an der Kaiser-Friedrich-Kirche Kaffee und Kuchen angeboten. Also ist in geistlicher und körperlicher Hinsicht vorgesorgt. Man sollte aber die gastronomischen Angebote erst nutzen, nachdem man den Hügel bestiegen hat. Mit leerem Magen steigt man besser.

Der Reiherberg ist mit Eichenmischwald bedeckt, unterbrochen von Lichtungen. Eichen werden durchsetzt von Birken und Robinien, wenig Bergahorn, Traubenkirschen und Buchen, sowie Berberitze. Ausdauernde Frühlingsblüher fehlen auf dem xerophilen (trockenheitsliebenden: die Red.) nährstoffarmen Standort weitgehend.

Besteigen kann man den Reiherberg über drei Wege: von der Reiherbergstraße, von der Geiselbergstraße z.B. über die Treppe hinter der Kirche vorbei am Fingerhut hinter dem Friedhof oder von derselben Straße aus auf der hinteren Seite des Hügels.

Es gibt vom Reiherberg vier Aussichten. Eine Aussichtskanzel wurde im Jahr 2000 erbaut und gibt den Blick in Richtung Werder frei, über das Luch und den Zernsee. Links davon, nur einige Meter entfernt, erwartet uns ein erneuter Blick über das Luch und die Bahnstrecke nach Werder. Fast gegenüber, hinter der Kanzel, wird die Aussicht nach Grube und die dahinter liegenden Hügel frei. Und geht man in Richtung des Hohlweges zur Reiherbergstraße, sieht man zur Siedlung „Blaue Dächer“, dem Ehrenfortenberg und Eiche.

Klaus Krannich, Golm 2008

Die Rehe und Füchse, die auf dem Hügel leben, werden Sie am Tage dort kaum sehen. Doch der Reiherberg überrascht durch seine Vielfalt an Insekten und Vögeln. Im Frühjahr schwebt zwischen dem Buschwerk die Märzfliege, ein schwarzes Insekt, dessen Flügel in Ruhestellung bei Sonne wunderbar golden glänzt. Beim Aufstieg hinter der Kirche singen Zaunkönig, Kohlmeise, Blaumeise, Kleiber, Girlitz, Amsel und Buchfink. Später gesellen sich Weidenlaubsänger, der nach dem Gesang auch den treffenden Namen Zilpzalp trägt und Fitislaubsänger hinzu. Der Fitis singt – wie soll man es anders beschreiben – ähnlich einem äußerst schlappen und müden Buchfink. Ab etwa Mai, und darum beneiden uns eine Menge anderer Deutscher, die ihre Kulturlandschaft totgepflegt haben, hören wir die Nachtigall. Besonders zahlreich ist sie am steilen Hang Richtung Geiselbergstraße zu Hause. Dieser Hang unter der Aussichtskanzel ist zum Glück nur schwer zu begehen und dadurch ungestört. Doch sie singt auch an anderen Stellen, wie über dem „Landhotel Potsdam“, genauso wie die Singdrossel. Deren Gesang hat Ähnlichkeit mit dem der Amsel. Aber sie wiederholt ihre Strophen. Außerdem schmettert sie ihre Melodie in Dur und nicht in Moll wie ihre schwarze Verwandte. Aber das sollte man vor Ornithologen vielleicht nicht äußern. Es kann sein, man erntet ein mitleidiges Lächeln. Doch das ist sehr lange her.

Im Mai, wenn die jungen Stare in den vom Buntspecht im Vorjahr gebauten Bruthöhlen schilpen, gesellt sich auch auf dem Reiherberg ein durch Gesang und Aussehen auffälliger Vogel hinzu: der Pirol. Häufiger als den schönen flötenden Gesang hört man den Warnruf, ein heiseres Krächzen. Hat man das Glück, das Männchen zu sehen, glaubt man in den Tropen zu sein. Da leuchtet Gelb neben schwarzen Flügeln und rotem Schnabel. Das Weibchen ist graugrün und weniger auffällig.

Und da sind noch die Grasmücken, die vor allem durch ihren Gesang, weniger durch ihr Aussehen auffallen. Sie lassen sich besonders durch ihre Stimmen bei einiger Übung unterscheiden. Die Mönchsgrasmücke hat einen zweistrophigen Gesang. Sie beginnt leise zwitschernd, um dann zum sogenannten Überschlag zu wechseln, zu lauten Flötentönen ähnlich denen der Amsel. Die Dorngrasmücke hat kurze, rauhe und schwatzende Strophen und im Gegensatz zur Mönchsgrasmücke eine graue statt einer schwarzen Kappe.

Da das Leben auf dem Reiherberg auch durch ein vielfältiges Insektenleben bestimmt wird, kann, wer möchte, auf der Südseite in der Nähe der Hochspannungsleitung zwischen Schafschwingel u.a. Schlupfwespen, Ameisenlöwen und kleine Heuschrecken beobachten. Ameisenlöwen graben kleine Bodentrichter. Rutscht eine Ameise am Rand ab, wird sie mit Sandkörnern beworfen, am Boden gepackt, vergiftet und aufgefressen. Aus dem Ameisenlöwen wird später die geflügelte Ameisenjungfer?

Text und Fotos
Klaus Krannich,
Juli 2008, Golm

_____________

Mein Freund der Baum

Ostermontag 1994

Ein Baum im Ortskern von Golm wurde gepflanzt. Eine Platane. Bis dato fehlte diese Art in der gesamten Gemarkung. Die Pflanzung wurde begleitet mit einem Spruch:
„Pflanz” einen Baum
und kannst Du es auch nicht ahnen
wer einst in seinem Schatten tanzt:
Bedenk es haben Deine Ahnen,
eh sie Dich gekannt,
auch einen Baum für Dich gepflanzt!“
An diesem Tag wurde zur Wanderung über den Reiherberg eingeladen. Den Schlusspunkt bildete dann die feierliche Pflanzung. Mit dieser Pflanzung am heutigen Tage, erhielt der Baum den Namensbegriff „OSTERPLATANE“. Für künftige Generationen nachlesbar in den Annalen der Gemeinde. Also an der Straßenecke Reiherbergstraße / Weinmeisterstraße. Ein markanter Baum am Eingangsweg zum Reiherberg.
Zur Gesellschaft wurden noch zwei weitere Platanen an markanten Plätzen des Ortes in die Erde gepflanzt. Eine in der Geiselbergstraße am Südende des Wohnblockes, sowie eine in der Karl-Liebknecht-Straße vor Beginn des Universitätsgeländes.
Die Spruchbegleitung bei der Pflanzung am Ostermontag 1994 verlangt von uns „Jetzigen“ Tun und Hochachtung für unseren Freund, den Baum. Denn Bäume haben es in sich, älter zu werden als wir. Da stellt sich sofort die Frage: Wer ist bei uns der liebenswerte „Alte“ unter den Bäumen?
Wenn wir der Chronik folgen, ist am Ende des Befreiungskrieges 1813 auf der (damals) noch kahlen Nordseite des „Reyherberges“ zur steten Erinnerung eine Eiche gepflanzt worden. Sie bekam die Bezeichnung „FRANZOSENEICHE“ und zählt damit heute stattliche 181 Jahre.
Zum gleichen Zweck, an ein gesellschaftliches Ereignis geknüpft, wurde 1871 eine Eiche auf dem Kirchplatz (heute Bushaltestelle ‚Kirche gepflanzt. Sie trägt die Bezeichnung „FRIEDENSEICHE“. Dieser Baumfreund steht also schon 123 Jahre.
Bei allen genannten Bäumen wissen wir natürlich nichts von seinem „Pflanzalter“. Im Vergleich dieser beiden Eichen ist ihr Wachstum an den extrem auseinanderliegenden Standorten bemerkenswert. Obwohl die FRANZOSENEICHE rund 60 Jahre älter ist als die FRIEDENSEICHE, misst sie doch im Stammumfang in einem Meter Höhe ganze 1,30 m weniger (Franzoseneiche 2,50 m, Friedenseiche 3,80 m). Somit mag der aufmerksame Wanderer den Eichen am Abbruch des Berges gen Westen, die ihm noch jung erscheinen, ruhig einige Jahrzehnte zurechnen, bedingt durch ihren harten Lebenskampf an exponiertem Standort.
Die neue Kirche wurde am 24.07.1886 eingeweiht. Zu den Feierlichkeiten wurde in der Nähe des für den Kirchenbau geplanten Abessiner Brunnens eine PYRAMIDENEICHE gepflanzt. Auf überlieferten Fotos sieht sie recht stattlich aus. Ihr Pflanzalter kann man nur ahnen. Doch von 1886 bis heute zählt sie immerhin 108 Jahre. Ihr Stammumfang in einem Meter Höhe beträgt 3,75 m.
Dazu eine kleine Begebenheit:
Als eine Behinderten-Gruppe von Kindern auf ihrer Rundfahrt auch an der Kirche in Golm Halt machte, ergab sich in vielfältiger Frage und Antwort auch die Frage nach diesem Baum, bedingt durch die Auffälligkeit der meist nach oben stehenden Äste. Als die Kinder von mir das Alter erfuhren, ging spontan ein 12-jähriger Junge auf den Baum zu und streichelte ich. Eine Geste ohne Worte.
In der Gesamtgestaltung der Begrünung um die „Neue Kirche“ wurde auch ein „EIBE“ gepflanzt, mit sechs Metern Abstand von PYRAMIDENEICHE. Diese EIBE ist also noch keine
„1000-Jährige“, aber über 100 Jahre hat sie auf dem Buckel. An der Erdoberfläche misst diese EIBE 1,21 m Umfang. Das entspricht abgerundet einem Durchmesser von 40 cm! In jüngeren Jahren muss sie jedenfalls sehr wüchsig und buschig gewesen sein. Denn spitzbübisch erzählte mir ein Golmer (Jahrgang 1936), dass sich viele dankbar mit ihrem Grün für Grabeindeckungen zum Totensonntag dort freimütig bedienten.
Etwas über 100 Jahre, also gepflanzt etwa am Ende des 19. Jahrhunderts, sind unsere im Ort befindlichen MAULBEERBÄUME. 1990 hatten wir noch acht Bäume. Jetzt sind es bloß noch vier aus damaliger Zeit. Die anderen sind Sturm, Pilzbefall und Säge zum Opfer gefallen. Dem MAULBEERBAUM auf dem Hof „Fritze“ unweit der jetzigen OSTERPLATANE, der durch Stürzen am 14.12.1992 fiel, wurde eine Baumscheibe abgetrennt und durch Auszählen der Jahresringe das Alter bestimmt.
Die beiden größten Exemplare stehen noch an der Sandstelle in der Nähe des Buswendeplatzes am Reiherberg in der Geiselbergstraße. Weiter folgend die nächste vor dem Eingang der Kirche, dann eine weitere vor der Bahnunterführung in der Reiherbergstraße.
Dass die beiden Maulbeeren an der Sandstelle Reste einer Baumreihe waren, bewahrheitete sich nicht. Auf einem Foto von 1921 stehen nur diese beiden!
Etwas im Hintergrund dieser zwei MAULBEEREN befindet sich eine pyramidal wachsende EICHE. Diese bedarf bei jeglicher Nutzungsgestaltung der Fläche unbedingt Schutz. Ihre Herkunft und ihr Alter sind unbekannt.
Maulbeerbäume machen immer den Eindruck, als sei der Baum tot. In unseren Breiten frieren sie jeden Winter stark zurück und zählen außerdem zu den im Frühjahr besonders spät austreibenden Gehölzen. Alle genannten Maulbeerbäume sind weißfruchtig und süß.
Auf kommunalem und privatem Grund wurden in den letzten Jahren junge Maulbeerbusche gepflanzt. Auf dem kleinen Dreieck (Südaufgang zum Reiherberg in der Geiselbergstraße) wurde 1994 ein kräftiger Jungbaum einer schwarzfruchtigen MAULBEERE gepflanzt.
Unsere Vorväter waren nicht untätig, verschiedentlich Bäume einzeln oder in Gruppen im Dorfbild einzufügen. Hier seien die knorrigen Kastanien, die stämmigen Scheinakazien (volkstümlich auch Robinien / Akazien) im Dorfkern, die Pappeln und Weiden in umgebender Wiesen-Luchlandschaft genannt.
Bis in unsere heutige Generation setzt sich eine ausgesprochene Liebe zur Birke fort. Unzählige, meist sehr gesunde, starke alte und viele junge Birken stehen auf privatem Grund und betonen mit alten Obstbäumen unsere heimaltiche Wohnlandschaft.
Knorrige Dorflinden fehlen dem Ort. Zum Tag der Einheit wurde von Naturfreunden eine mehrjährige Linde auf dem Platz der Buswendestelle gepflanzt. Die Linde stammt aus der „Natur-Baumschule“ zwischen dem ehemaligen Müllplatz und dem Stichkanal, hat sich dort selbst ausgesät und konnte als pflanzfähiger Jungbaum am 3. Oktober 1990 zur Pflanzung als „EINHEITSLINDE“ verwendet werden.
Somit hat auch unsere heutige Generation, erinnernd an ein Zeitereignis von geschichtlicher Bedeutung, einen Baum gepflanzt, getreu der Ahnen, die es vor uns taten.
Der Golmer Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hat ohne Aufhebens diesen Baum mit einem Findling und historischem Datum versehen!
Daran gedacht?
Von 1994 bis heute: „Unser Freund der Baum“ ist älter geworden!!
Wir auch.

Siegfried Mohr, Golm

_____________

Golmer Luch

Sind Sie schon einmal durch das Golmer Luch gewandert?

Wenn Michael Succow, Landschaftsbiologe und Träger des Alternativen Nobelpreises, sagt, eine weite Moorlandschaft gebe nicht nur den weiten Blick in die Ferne frei, sondern führe auch zu freien und neuen Gedanken, dann ist das für jemand, der in der abwechslungsreichen Landschaft eines Mittelgebirges aufwuchs, nicht sofort nachzuempfinden. Der muss sich ein verhältnismäßig karges Landschaftsgebiet wie das Golmer Luch erst erschließen. Doch auch wenn die Fauna und wohl ebenso die Flora durch diverse menschliche Einflüsse bei weitem nicht mehr so vielfältig sind wie sie das ursprünglich waren, lohnen sich ein Gang oder eine Radtour durch das Luch auch heute noch, und das immer wieder.
Wer im Mai auf dem Golmer Damm zum Großen Zernsee geht, wird die Nachtigallen kaum überhören können. Die Populationsdichte ist hier noch verhältnismäßig hoch. Das ist nicht selbstverständlich, denn naturnahe an Unterholz reiche Biotope werden zunehmend zerstört. Das geschieht oft in guter Absicht: das „Saubermachen“ von Parks und Landschaften in der Umgebung von Wohngebieten oder das „Wiederherstellen alter Zustände“. Früher konnten die Tiere noch ausweichen, heute werden unsere Flächen zunehmend verbaut oder eben „sauber“ gemacht. Etwas Schlamperei ist für Pflanzen und Tiere oft besser.
Zurück zum Luch. Von ganz normalen Wegen aus kann man dort u.a. die unterschiedlichen Arten von Grasmücken, Laubsängern und Meisen, Kleiber, Spechte, Baumläufer, Drosseln und Goldammern entdecken. Besondere Aufmerksamkeit sollte ab Mai der klangvollen, meist dreisilbigen, flötenden Stimme des Pirols gelten. Er flötet im Laubwald links der Straße oder auch in höheren Bäumen unmittelbar neben dieser. Der Ruf (etwas du-lio-lia) lässt sich einfach nachpfeifen. Mitunter gelingt es dadurch, sich mit dem Pirol zu unterhalten. Der Warnruf hingegen ist kreischend und weniger harmonisch. Der Vogel hält sich meist in hohen Baumkronen auf. Die Farbe des Männchens ist gelb, die seiner Flügel und des Schwanzes schwarz, die des Weibchens graugrün bei dunkelgrauen Flügeln.
Von den im Winter durchziehenden Vögeln sind im April nur noch einige Graugänse zu sehen. Doch wer ab und zu auch einmal zum Himmel sieht, kann den Roten und den Schwarzen Milan entdecken. Beide Arten mögen sich jedoch während der Brutzeit nicht besonders. Dabei ist der rote Milan bei Streitereien durch seine Größe meist überlegen. Und auch einer der klügsten Vögel, der wohl manchmal zu Unrecht gescholtene Kolkrabe, fliegt oft über das Luch. Den gab es in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nur noch in drei Gebieten Deutschlands, darunter jedoch nicht mehr in Brandenburg. Sein Flugspiel und seine Laute während der Balzzeit können auch mäßig interessierte aber aufmerksame „Naturfreunde“ begeistern.
Der Fischadler, zu erkennen an der weißen Unterseite und dem möwenähnlichen Flugbild, ist mit etwas Glück fast das ganze Jahr, der Seeadler, der größte unserer Adler, mit etwas mehr Glück, weil seltener, ebenfalls anzutreffen. Der Graureiher hingegen kommt uns regelmäßig besuchen.
Wer sich die Mühe macht, eine nicht verbaute Stelle am Zernsee zu suchen, z.B. am Golmer Stichkanal oder der Fußgängerbrücke an der Wublitz, der wird beim Blick über Wasser und Himmel durch zahlreiche Wasservögel wie Stock- und Löffelenten, Blässrallen, Haubentaucher, Möwen und Seeschwalben belohnt. Die unterschiedlichen Gesänge der Rohrsängerarten kennen zu lernen, kann er jedoch sowohl direkt am Wasser als auch im Luch üben.
Auf keinen Fall sollte man aber bei der An- oder Abfahrt unsere Störche neben dem Kindergarten gegenüber der Kirche ignorieren. Doch für diese ist der Storchenvater Siegfried Mohr zuständig.
Zum Schluss noch etwas: Richtig haben Sie sich in Wald und Flur dann bewegt, wenn Sie von den Tieren kaum bemerkt wurden und der nächste Wanderer gar nicht wahrnimmt, dass da vor ihm schon jemand gewesen ist.
Und nun die besten Wünsche für große Erlebnisse.

Dr. Klaus Krannich, Golm 2008 mit Fotos von Dr. Rainer Höfgen

Klicken Sie hier, um zur Galerie zu gelangen.

_____________

Sandstrohblume

Zwischen Einhaus und Nattwerder sieht man plötzlich einen großen, leuchtend gelben Fleck am Wegesrand. Dort wächst die Sandstrohblume (Helichrysum arenarium). Sie ist typisch für sonnige und magere Standorte in trockenen Sandgebieten und blüht von Juli bis August verstreut in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Sie bedeckt dort, wo man sie trifft, immer große Flecken, da sie mehrjährig ist und aus dem unterirdischen Rhizom zahlreiche 10 bis 40 cm hohe Stängel hervorgehen können. Dies lässt sich auch hier am Wegesrand sehr gut beobachten.
Wegen ihrer Seltenheit ist sie im gesamten Bundesgebiet unter Naturschutz gestellt worden und zählt sogar zu den besonders geschützten Arten. Ihre winzigen, orangefarbenen Blüten sind in kleinen Köpfchen zusammengefasst, die von den auffälligen zitronengelben, strohigen Hüllblättern umgeben sind. Daran und an ihren weißfilzig behaarten Blättern und Stängeln ist sie leicht zu erkennen.
In vielen Teemischungen werden die Blütenköpfchen als so genannte „Schmuckdroge“ verwendet. Sie sind nur Füllmittel, das durch seine Farbe die fertige Mischung verschönern soll. Dabei ist die Farbe des Tees auf die Beschwerden, gegen die er eingesetzt wird, abgestimmt und in der Volksheilkunde werden sie deshalb als Zusatz gegen Blasen- und Gallenleiden verwendet. Allerdings ist die Wirksamkeit bei diesen Anwendungsgebieten nicht belegt. Außerdem enthalten sie wie die Grapefruit einen Stoff, der die Wirkung von anderen Arzneimitteln nachteilig verändern kann. Aus diesem Grunde, aber vor allem auch wegen ihres Schutzstatus sollte man sich an dem sonnigen Farbfleck erfreuen und sie nicht für den Hausgebrauch nutzen.

Dr. Anja Vaasen, 2005

_____________

Schlagschwirl

Zetzetzetzet.... Das Geräusch aus dem dichten Gestrüpp des Golmer Luchs klingt irgendwie technisch, erinnert entfernt an eine Nähmaschine. Dieser Klang zaubert ein begeistertes Lächeln auf das Gesicht des Vogelkundlers: "Da singt ein Schlagschwirl". Die Begeisterung ist verständlich, leben doch nur 300 Paare dieser Art in Brandenburg, so dass man ihnen nicht oft begegnet. Die Feuchtgebiete des Golmer Luchs, in dem bis zu drei singende Schlagschwirle zu hören sind, liegen nah der westlichen Ausbreitungsgrenze der Art. Nur wenn die Tiere sich an einem Ort richtig wohl fühlen, wagen sie sich so weit vor. Rein optisch macht der spatzengroße Vogel nicht viel her, olivbrauner Rücken, weissliche Unterseite mit feinen Stricheln, schlanke Gestalt. Zu Gesicht bekommt man ihn noch seltener als seine Verwandten, Rohr- und Feldschwirl, die ebenfalls im Luch, auf den Höllenwiesen und in den Röhrichten des Zernsees singen. Am wohlsten fühlen sich die Schlagschwirle im dichten Pflanzenfilz aufgelassener Flächen. Sie profitieren von der abnehmenden Nutzung der Luche, von der Ruhe durch dünne Wegnetze. Wenn Sie ihn und die anderen gefiederten Kostbarkeiten der Golmer Natur unterstützen wollen, dann geniessen Sie deren Gesang während der Brutzeit (März bis Juli) von den Wegen und halten Ihren Hund auf denselben. Damit Schwirl und Co sich noch lange bei uns in Golm wohl fühlen.

Dr. Karin Köhl, Golm

_____________